Erster Bilanzbericht der Kindesmissbrauch-Kommission

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs, hat am 3. April 2019 ihren ersten Bilanzbericht veröffentlicht. Seit Mai 2016 haben sich 1.690 Betroffene bei der Kommission gemeldet. Aus der Auswertung von 857 vertraulichen Anhörungen und 292 eingegangenen schriftlichen Berichten, in denen Betroffene von sexueller Gewalt berichteten, geht deutlich hervor, dass besonders Mädchen mit 83 Prozent betroffen sind.
Die Mehrheit der Opfer haben Missbrauch im Kontext ihrer Familie erfahren. Ein Viertel der Berichtenden (238 von 914) hat sexuelle Gewalt durch einen der mehrere Täter erlebt. 22 Prozent der kleinen Opfer waren zu Beginn der Tatzeit unter drei Jahren, 26 Prozent zwischen vier und sechs Jahren. Ziel der Kommission ist es, die Strukturen aufzudecken, die sexuelle Gewalt in der Kindheit und Jugend ermöglicht haben, um herauszufinden, warum die Aufarbeitung in der Vergangenheit verhindert wurde. Der Bericht besteht aus zwei Bänden. Band I (https://www.aufarbeitungskommission.de/…/Bilanzbericht-2019…) dokumentiert die Arbeit der Kommission, stellt die Ergebnisse dar, zieht Schlussfolgerungen und gibt erste Empfehlungen. In Band II (https://www.aufarbeitungskommission.de/…/Bilanzbericht-2019…) erzählen Betroffene ergreifend ehrlich von ihrer Vergangenheit, ihren Wünschen und Hoffnungen. Die 30 Berichte führen eindrücklich vor Augen, was sexuelle Gewalt in Kindheit und Jugend, das lange Schweigen und der Kampf um Gerechtigkeit für das Leben von Betroffenen bedeuten. Die Vorsitzende der Kommission, Prof. Sabine Andresen, sagt zu der Untersuchung: „Aus den Berichten der Betroffenen geht vor allem hervor, wie häufig das nahe Umfeld und die gesamte Gesellschaft versagt und Kinder nicht geschützt haben. Dafür muss Verantwortung übernommen werden. Es geht darum, heute Kinder und Jugendliche zu ihren Rechten zu verhelfen und sie zu schützen. Und es geht um die Anerkennung der Rechte heute erwachsener Betroffener und um eine gute Versorgung.”