Bauen für besondere Kinder

Der Teamleiter der Mattisburg in Hamburg sagte einmal über die Kinder im Schutzhaus: „Unsere Kinder zeigen ganz normale Verhaltensmuster für das, was sie erleben und erdulden mussten.“ Die Gewalt, die Vernachlässigung und der Missbrauch haben sie in ihren jungen Jahren geprägt. Zwei Beispiele: Immer wieder beschmieren die Kinder der Mattisburgen die eigenen Zimmer mit Kot. Warum? Weil ein Zimmer, das ekelhaft riecht, für Schädiger nicht einladend ist. Nun müssen diese Kinder lernen, dass sie in Sicherheit sind und keiner nachts zu Ihnen ins Bett steigt. Ein weiteres Beispiel: Die Mattisburg-Kinder haben immer wieder extreme Wutausbrüche. Diese werden durch sogenannte Trigger-Momente ausgelöst. Das sind Situationen, in denen das Kind Verhaltensweisen anwesender Menschen, Gerüche oder bestimmte Dinge, mit Gefahren- und Gewaltsituationen eng verbinden. In diesen Momenten steigt bei den kleinen Opfern der Adrenalinspiegel plötzlich an, und es kommt zu unkontrollierten Wutausbrüchen. Wände, Türen, Fenster, Heizungen, Waschbecken, es gibt nichts, was nicht in solchen Momenten zum Blitzableiter wird. Natürlich greifen Betreuer, Pädagogen und Ärzte umgehend ein, um das Kind vor sich selber zu schützen. Doch die wenigen Momente, die es dauert, bis das Kind sicher gehalten werden kann, reichen aus.

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Johanna Ruoff hat darum, basierend auf den Erfahrungen in Hannover, mit einem Team von Experten sowie einem Industriedesigner, besondere Möbel für diese Kinder entwickelt. Sie sind nahezu „unkaputtbar“. Alle Materialien, die wir heutzutage in den Mattisburgen verbauen, wurden in Laboren auf Stabilität und Haltbarkeit getestet. In der Vergangenheit hatten ein Bett, ein Schrank oder eine Tür eine durchschnittliche Lebensdauer von sechs und zwölf Monaten. Aus den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre wissen wir:

  • Dass bis jetzt kein Bett zerstört werden konnte.
  • Gleiches gilt auch für die Schranktüren, die aus verstärktem Material mit ihren überdrehbaren Scharnieren von den Kindern weder ausgehebelt noch eingeschlagen werden konnten.
  • Und auch die bunten Waschbecken, die aus einer speziellen Schaumstoffart hergestellt sind, haben den Trigger-Momenten der Vier- bis Zwölfjährigen standgehalten.
  • Von besonderer Bedeutung bei der Weiterentwicklung der Innenausstattung war die Qualität der Zimmertüren. Zu oft wurden diese durch Tritte massiv beschädigt. Eine Gefahr für Kinder wie Betreuer. Den Designern ist es gelungen, diese so robust anzufertigen und mit Spezial-Scharnieren auszustatten, dass diese Gefahrenquelle beseitigt werden konnte.
  • Weil ein Sechsjähriger bereits eine Heizung aus der Wand gerissen hat, haben wir uns vor zwei Jahren für Bodenheizungen entschieden. Dort, wo dies nicht möglich ist, werden die unter den Decken montiert.

Eine Mattisburg muss viel aushalten können. Deshalb sind alle Materialien, die in den Häusern verbaut werden, häufig teurer als in normalen Wohngruppen. Doch dank der Überarbeitung aller Einrichtungsgegenstände können wir mit gutem Gewissen sagen: Ja, es sind die perfekten Materialien. Und dennoch wird permanent an den Konzepten der Häuser gearbeitet und weiterentwickelt.

Ergänzend sei erwähnt, dass wir nach einem besonderen Farbkonzept arbeiten, welches auf die Mattisburg-Kinder besonders reizarm wirkt. Die hohen Investitionskosten für die Möbel haben sich ausgezahlt.