Norman (9 Jahre) kann heute wieder lachen

Auf den ersten Blick ist Norman ein ganz normaler Junge, der gerne herumtobt und Schokolade isst. Doch der Start ins Leben war für den Neunjährigen schwierig. Norman war ein sogenanntes Schrei-Kind. Seine erst 19-jährige Mutter war mit dem Säugling schnell überfordert. Die heute arbeitslose Frau brach nach der 8. Klasse die Schule ab. Nun hatte sie ein schreiendes Kind zuhause, zu dem sich eine Bindung nicht einstellen wollte. Als Norman mit drei Jahren in den Kindergarten kam, konnte er nur wenige Worte sprechen. Er fiel durch eine geringe Toleranzschwelle und hohes Aggressionspotential auf. Die anderen Kinder mieden den blonden Jungen. Versuche, ihn zu fördern, blieben vergeblich. Norman konnte sich nur schwer einordnen, hatte Konzentrationsschwierigkeiten und blieb nie lange bei der Sache.

Mit sechs Jahren kam Norman in eine Förderschule. Das auffällige Verhalten machte den Jungen auch hier schnell zum Außenseiter. Das Jugendamt wurde eingeschaltet. Erste Hausbesuche deckten massive Vernachlässigungen auf. Das Kind war unterernährt, es schlief auf dem Boden im Flur der verwahrlosten Wohnung. Ärztliche Untersuchungen zeigten, dass Norman oftmals massiv geschlagen wurde. Er kam zu einer Pflegefamilie. Hier sollte er die Geborgenheit, die Sicherheit und die Liebe bekommen, die der damals Sechsjährige in seinem kurzen Leben noch nicht kennen gelernt hatte. Doch die regelmäßigen Wutausbrüche waren für die neue Familie zu viel, die Angst um die leiblichen Kinder zu groß. Norman kam ins Heim. Hier zog er sich immer mehr zurück. Er nahm an keinen Aktivitäten teil, sprach kaum. Was steckte dahinter? Was konnte man tun?

Die Einrichtung der Stiftung „Ein Platz für Kinder“ in Hannover nahm den kleinen Jungen auf. Dort lässt man keinen im Stich. Wutausbrüche, Gewalt, Verweigerung – das ist hier man gewohnt. Betreuer und Therapeuten gaben dem kleinen Kerl die Zeit, Vertrauen zu fassen. Gemeinsam mit Psychologen, Therapeuten und Sozialarbeitern begab man sich auf Spurensuche und fand heraus, was Norman erdulden musste: den Hunger, die Sprachlosigkeit und die mangelnde Zuwendung seiner Mutter. Norman wurde nie in den Arm genommen, bekam nur manchmal etwas zu trinken und wurde von seinem Stiefvater bei der kleinsten Ungehörigkeit bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen. Das änderte sich erst mit Beginn des Kindergartens. Die Schläge wurden gezielter gesetzt. Es sollten keine Spuren sichtbar sein. Norman lebt heute erneut in einer Pflegefamilie. Nachdem man seine Geschichte kannte, konnte ihm gezielt geholfen werden. Heute besucht er eine Regelschule. Seine Noten sind nicht besonders, aber er fühlt sich in seiner Pflegefamilie wohl. Norman kann heute wieder lachen.