Jugendhilfe

Bisher werden alle bestehenden Mattisburgen in fremder Trägerschaft betrieben. Der Betrieb des Therapeutischen Internates Mattisburg Sternstunden am Chiemsee wird in eigener Trägerschaft erfolgen.

Pädagogik

Sicherheit und Geborgenheit in den „Mattisburgen“

Die neu aufgenommenen Kinder lernen die Mattisburgen als „sicheren Ort“ kennen, hier sind sie vor erneuter Gewalt geschützt. Auf Kinderrechte, Beschwerde- und Beteiligungs- Möglichkeiten und ein umfassendes Schutzkonzept vor erneuten Traumatisierungen wird daher besonderer Wert gelegt.

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden regelmäßig durch Fortbildungen geschult und erhalten kontinuierlich fachliche Beratung zur herausfordernden pädagogischen Arbeit mit traumatisierten Kindern.

Grundsätzlich gilt, dass das herausfordernde Verhalten der Kinder als Folge furchtbarer Lebensgeschichten verstanden wird. Sie haben einen „guten Grund“ für ihr Verhalten, den die Fachkräfte und die Kinder selbst verstehen lernen müssen.

Kein Kind wird für auffälliges Verhalten bestraft, da dieses als Ausdruck ihrer Verletzungen verstanden wird. Dieses „ausgehalten werden“ ist die Basis, um die traumatischen Erlebnisse aufarbeiten zu können.

Insbesondere die Bewältigung des Alltags, unter liebevoller Betreuung durch die Mitarbeitenden, bietet den Kindern die Chance zur Ruhe zu kommen. Die Aufarbeitung der traumatisierenden Erlebnisse wird durch verschiedene therapeutische und pädagogische Angebote unterstützt.

Therapieangebote

Ziel des diagnostisch-therapeutischen Prozesses ist es zunächst, zu verstehen, was die Kinder erlebt haben, um „schwieriges“ Verhalten einordnen zu können.

Zur umfassenden Diagnostik gehören daher unter anderem: Projektive und nicht projektive Testverfahren

= sie helfen, einen Einblick in intrapsychische Prozesse des Kindes als Reaktion auf das traumatische Erleben zu erhalten.

Ansätze der Spieltherapie:

= insbesondere das „szenische Verstehen“ hilft, auffälliges Verhalten des Kindes nachvollziehen zu können.

Interaktionsbeobachtungen:
– im Alltag in der Gruppe,
– beim Umgang des Kindes mit seinen Eltern,
– beim Umgang des Kindes mit dem pädagogischen und therapeutischen Dienst

= sie helfen zu verstehen und konkrete Auslöser, sogenannte „Trigger“, für ungünstige Verhaltensmuster ausfindig zu machen.

Informationen
– aus dem Aktenstudium
– aus Gesprächen mit Eltern und anderen Bezugspersonen

= sie helfen ein umfassendes Bild des Kindes und seiner Erlebnisse zu erhalten.

Nach Abschluss der Diagnostik ist das Ziel der weiteren therapeutischen Arbeit:

– die Psychoedukation (die Kinder lernen, dass ihre Schwierigkeiten im Zusammenhang mit ihren Traumata stehen)

– die Stabilisierung

– wenn möglich die Integration von bisher nicht bewusstseinsfähigen Erlebnissen

– die Vorbereitung auf eine passende Anschlussmaßnahme.